Seit meiner Karriere als selbständiger Goldschmied, und das sind schon über 22 Jahre, habe ich noch nie einen so gravierenden Fehler gemacht.... trotzdem, ich fühle mich sattelfest genug, dazu auch öffentlich zu stehen und hier im Blog davon zu erzählen.
Eine gute Kundin, Frau G., brachte mir ein schönes, breites Collier in Gelbgold 750. Sie wünschte, an der Stelle, wo ich früher einen prächtigen Safir für einen andern Schmuck entfernte, einen grossen Lapislazuli in einer neuen Fassung zu montieren. Es soll ein Geschenk für ihre Tochter sein, zum 40-jährigen Geburtstag. Sie brachte noch alten Schmuck, den ich für die Fassung umschmelzen konnte.
Nach ein paar Wochen machte ich mich freudig an die Arbeit, füllte alles Gold aus dem Säckchen mit dem Altgold in die Schmelzschale und fertigte mit dem umgeformten Material eine Fassung für den Stein.
In der folgenden Nacht dachte ich daran, wie ich die Fassung mit dem Collier verbinden würde ... Aber, mit welchem Collier? .... mit dem Collier, das ich am Vortag eingeschmolzen hatte, es war im gleichen Säckchen wie das Altgold !!!
Schock, Schwitz, Jammer, Grübel .... es gab eine lange, ziemlich schlaflose Nacht.
Am Morgen setzte ich die Schmuckbranche in Bewegung, um wieder ein möglichst ähnliches Collier zu finden. Als Anhaltspunkt diente mir ein kurzes Stückchen vom alten Verschluss, den ich nicht eingeschmolzen habe.

Nach langen Recherchen, fand ich etwas Passendes und ich getraute mich, der Kundin anzurufen und ihr mein beschämendes Missgeschick zu gestehen.
Zu meinem Erstaunen reagierte Frau G. auf diese Katastrophe erst mit leisem, ungläubigem, dann lautem Lachen! Mir wurde immer leichter und schon bald hätte ich sie umarmen können.
"Nun aber, Herr Schär, haben Sie eine andere Lösung, um mit dem Lapis einen schönen Schmuck zu machen? Gold haben wir ja, wenn auch nicht mehr in der richtigen Form..."
Ich brauchte nicht lange zu sinnen, schlug ihr vor, mit dem Gold einen handwerklich gestalteten Unikat-Halsschmuck zu fertigen. Sie reagierte sehr flexibel und liess mich das Gesagte in Taten umsetzen.
12 Arbeitsstunden später konnte ich der lieben Kundin das Resultat präsentieren: Ihre Freude war gross und sie war gar nicht traurig, dass es so gekommen ist. Und falls es der Tochter nicht gefallen sollte, dann würde sie es gerne für sich behalten.
Eines Tages werde ich vielleicht erfahren, wer es nun trägt.
2 Kommentare:
so schön! das schmuckstück und die geschichte!
und nun werd ich mich weiter umgucken auf der hp, da hats einen kurs der mich sehr interessiert.... und viele wunderbare schmuckstücke!:-)
lieben gruss
annemarie
Die Geschichte hat mich ebenfalls zum Lachen gebracht, aber ich kann dir die schlaflose Nacht gut nachempfinden! Mutig, dass du sie veröffentlicht hast - das gefällt mir!
Herzliche Grüsse
Barbara
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